Weiterentwickelte Grypsnet-Idee siegt beim „Ideenwettbewerb Gesundheitswirtschaft 2015“


06.07.2015

Fotolia © Alexander Raths

Bei der Preisverleihung des Ideenwettbewerbs Gesundheitswirtschaft 2015 am heutigen Montag in Schwerin wurde auch das PRIME-Projekt des MRE-Netzwerks Vorpommern-Greifswald ausgezeichnet. PRIME greift mit dem prä-stationären MRSA-Screening eine Idee auf, die im langjährigen Dialog des Ärztenetzes Grypsnet mit der Universitätsmedizin Greifswald geboren wurde:

Zu den häufigsten Komplikationen in deutschen Krankenhäusern gehören sogenannte Krankenhausinfektionen, von denen ein steigender Anteil durch multiresistente Erreger (MRE) verursacht ist. Mindestens 70% der Infektionen wären vermeidbar, wenn rechtzeitig Gegenmaßnahmen eingeleitet würden. Die frühe Erkennung (Screening) von MRE-besiedelten Patienten ist eine solche Maßnahme. Angemessener Infektionsschutz und wirksame Therapien lassen sich damit eher einleiten.

Bisher sind jedoch Sektorengrenzen zwischen den Gesundheitsversorgern ein wesentliches Hemmnis für gut funktionierende Lösungen. Es fehlen die nötigen Strukturen und Prozesse sowie ausreichend wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit ambulanter Screenings. Derzeit können MRE-Träger daher frühestens bei Aufnahme in ein Krankenhaus erkannt werden, weshalb Risiko-Patienten zunächst isoliert werden.

Genau hier setzt das MRE-Netzwerk Vorpommern-Greifswald mit seinem prä-stationären Screening an: Getreu dem Motto „Vorsorge statt Nachsorge!“ sollen Patienten bereits in Vorbereitung eines geplanten Krankenhausaufenthaltes auf multiresistente Erreger untersucht werden - von ihren ambulanten Ärzten. Das ist für alle Seiten von Vorteil: Im Krankenhaus werden nur diejenigen Neuankömmlinge isoliert, bei denen tatsächlich multiresistente Erreger nachgewiesen wurden - dem der Großteil der Patienten bleibt die Isolation erspart. Dies spart Nerven, Zeit und Geld. Geld, von dem nur ein Teil für die Vergütung des ambulanten Screenings benötigt wird.

Möglich wird diese Lösung u. a. dank HICARE: Dieses vom BMBF und vom Land Mecklenburg Vorpommern geförderte Projekt hat wesentliche Impulse für die Bekämpfung von MRE gesetzt: Forscher, Versorger und Kostenträger der Region wurden eng miteinander verbunden und Handlungsempfehlungen für den Umgang mit multiresistenten Erregern entwickelt. Auf dieser Grundlage können jetzt weitere Projekte, wie PRIME, umgesetzt werden.

Niedergelassene Ärzte profitieren von entsprechenden Fortbildungen und neuen Vergütungspositionen, ihre Patienten von verringerter Ansteckungsgefahr sowie modernen Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten.

Als eine vom Land mandatierte Folgestruktur aus HICARE will das KOMPASS-Netzwerk, in dem sich die MRE-Netzwerke Vorpommern-Greifswald, Vorpommern-Rügen und die Mecklenburgische Seenplatte zusammengeschlossen haben, Infektionsprävention und Patientensicherheit gemeinsam weiter befördern.

Unter dem Namen KOMPASS finden sich Krankenhäuser und Rehakliniken, niedergelassene Ärzte, Alten- und Pflegeheime, ambulante Pflegedienste, medizinische Labore, Kostenträger, Gebietskörperschaften und Behörden in einem Verein zusammen. Dabei verbindet KOMPASS Forschung und Umsetzung, indem es Wissenschaftler und Praktiker zusammenbringt.

Mit Patientenveranstaltungen und Fallkonferenzen will der Verein den Umgang mit MRE-Patienten verbessern und die Bedrohung durch multiresistente Erreger verringern. Patientensicherheit und Infektionsschutz stehen dabei im Mittelpunkt aller Aktivitäten. 

Das prä-stationären MRSA-Screening ist ein erster wichtiger Baustein auf diesem Weg. Mit dem PRIME-Projekt hat sich der Verein erfolgreich um Gelder für die Begleitforschung zum Screening beworben.

Den Ideenwettbewerb hatte das Ministerium für Wirtschaft, Bau und Tourismus gestartet, unter dem Titel „Förderung von innovativen Projekten zur Steigerung von Wachstum und Beschäftigung in der Gesundheitswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern“. Insgesamt 1,5 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) stehen für die Siegerbeiträge zur Verfügung – für zukunftsweisende, innovative Ideen, die den Zukunftsmarkt Gesundheitswirtschaft weiter entwickeln.

Das PRIME-Projekt verzahnt Krankenhäuser, Pflegeheime und ambulanten Gesundheitsversorger. So ermöglicht es eine koordinierte Infektionsprävention und Steigerung der Patientensicherheit. Dadurch sollen die Anzahl der Ansteckung mit und Übertragung von Krankenhauskeimen gesenkt und die Kosten für die stationären und ambulanten Versorger minimiert werden. Gleichzeitig will das Projekt wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit des Screenings beibringen, damit das Modellvorhaben über die Region hinaus in die Regelversorgung überführt werden kann. Dies soll ein Beitrag zu einer optimierten Verteilung der begrenzten Ressourcen des Gesundheitssystems sein.

Mit diesem Ansatz konnte das MRE-Netzwerk Vorpommern-Greifswald die Jury und Wirtschaftsminister Glawe überzeugen.